🐴Unsere Pferde

🐴 Pferde

Die längste Zeit meines Lebens hat mich Sultan begleitet.

An guten wie an schlechten Tagen.

Im Distanzsport und später als Rentner.

Seit über zwanzig Jahren halten wir unsere Pferde selbst am Hof. Wer das macht, lernt seine Tiere auf eine ganz andere Weise kennen. Man erlebt Geburten, Krankheiten, Abschiede und unzählige Momente, die man nie vergisst.


Mein Weg

Wie wahrscheinlich viele Mädchen träumte ich schon mit fünf Jahren von Pferden.

Mit achtzehn kaufte ich meinen ersten eigenen Araber – den Vollbluthengst Sultan.

Warum auch klein anfangen?

Damit nahm mein Schicksal seinen Lauf.

Hat einen dieses Virus erst einmal erwischt, ist die Erkrankung unheilbar.

Aus einem Pferd wurden irgendwann zwei, dann eine kleine Zucht und schließlich eine Herde, die mein Leben über viele Jahre geprägt hat.


Abschied

Kurz bevor mein Vater starb, wollte ich die Zucht aufgeben.

Alles lief irgendwie aus dem Ruder.

Ich verkaufte unsere Stuten Inya, Noe und Asinoee.

Ein tiefer Schnitt ins Herz.

Als unsere letzte selbstgezogene Stute Luna eines Morgens tot im Stall lag, verlor ich meinen Glauben.

So durfte das nicht sein.

Sultan war nun unser letzter Araber.


Ein neuer Anfang

Doch manchmal beginnt genau dort ein neuer Weg.

Es kamen wieder eine Jährlingsstute – Emira –, der Absetzerhengst Haytham und später die tragende Stute Mahhifha mit ihrer Tochter Hazel zu uns.

Das Leben hatte längst entschieden, dass Pferde immer ein Teil davon bleiben würden.


Die kleinen Großen

Auch die beiden Shettys meiner Tochter dürfen hier nicht fehlen.

Winny und Max waren einfach etwas ganz Besonderes.

So viel Blödsinn und Unfug in so kleiner Verpackung.

Ebenso wie unsere heißgeliebte Haflingerstute Wicky, deren Herz jedem Bergwerk Konkurrenz machen konnte.

Sie ließ sich ausschließlich von Kindern reiten. Erwachsene rutschten dank ihrer Leibesfülle früher oder später einfach herunter – manchmal sogar im Schritt.

Diese drei begleiteten meine Tochter seit ihrem dritten Lebensjahr.

Winny kauften wir aus einer Kinderreitschule.

Er hatte einen offenen Widerrist und litt an Rehe.

Max kaufte meine Tochter später von ihrem eigenen Geld.

Nach dem Tod seines Besitzers lebte er in einem Vorgarten mit einem Garagenstall, weil niemand mehr Verwendung für ihn hatte.

Wo sie das wohl her hat?


Manchmal muss man loslassen

Unseren Hengst Haytham mussten wir in Deutschland zurücklassen.

Artgerechte Hengsthaltung ist hier in Ungarn für uns derzeit nur schwer möglich.

Er durfte auf unserem alten Hof bleiben, hat dort eine Herde um sich und wird bestens versorgt.

Trotzdem fehlt er uns.

Vor allem seine kleinen Streiche, die er scheinbar jeden Tag aufs Neue perfektionierte.


Heute

Heute besteht unsere kleine Herde aus der Friesenstute Femke mit ihrem Hengstfohlen Dominik, der Stute Emira, die uns in diesem Jahr noch ein kleines Überraschungsei von Haytham bescheren wird, der zarten Jährlingsstute Matala, deren Mutter Mahhifha wir hier in Ungarn verloren haben, und ihrer dreijährigen Halbschwester Vaiana, die den Sommer noch auf einer Weide in einem Gestüt verbringt.

Wo die Reise einmal hinführt, weiß man erst, wenn man losgeht.

Wir werden sehen, wohin unser Weg uns führt. ❤️