🐶 Hunde
Wir hatten schon immer Hunde oder sie uns.
Früher waren es kleine Mischlinge und Yorkshire Terrier.
Mit dem Pferdehof kamen die Dalmatiner.
Und mit dem nächsten Hof die Dobermänner.
Warum ausgerechnet Dobermänner?
Diese Frage bekomme ich oft.
Ehrlich gesagt könnte ich darüber wahrscheinlich ein ganzes Buch schreiben.
Jeder hat seinen Grund, warum er seine Fellnasen liebt.
Ich habe meinen.
„Seit acht Jahren begleiten mich diese außergewöhnlichen Hunde.“
Unser erster Dobermann
Unser erster Dobermann war Sam.
Ein schwarzer, unkupierter Welpe, den wir bei einem privaten Halter kauften.
Heute würde ich jedem raten, bei der Wahl eines Züchters ganz genau hinzusehen.
Mit vier Jahren stand die Diagnose fest: DCM, eine schwere Herzerkrankung.
Ein Jahr später kam eine ausgeprägte Arthrose in den Vorderläufen hinzu.
Zeitweise wurde sogar über eine Amputation nachgedacht.
Doch wegen seiner Herzerkrankung hätte er die Narkose wahrscheinlich nicht überlebt.
Sam war ein Riese,
Der Shettysattel von Winny passte ihm tatsächlich.
Mit seinen 47 Kilogramm brauchte er gefühlt die halbe Couch und sein liebster Zeitvertreib war Ballspielen.
Er hat uns unheimlich viel über diese Rasse gelehrt.
Leider machten ihn die Schmerzen irgendwann unberechenbar.
Mit sieben Jahren musste ich ihn gehen lassen.
Am Morgen hatten wir mit dem ganzen Rudel noch Ball gespielt.
Wenige Stunden später war er nicht mehr da.
Viel zu früh.
Das Rudel wächst
Mittlerweile war unser Rudel bereits ordentlich gewachsen.
Nala, Merle und Kiara hatten ihren Weg zu uns gefunden.
Dazu kam der kleine kupierte Rüde Zedrik aus einem serbischen Kennel.
Warum wir unkupierte Dobermänner halten
Unsere Dobermänner sind – bis auf Zedrik – alle unkupiert.
Mit Schlappohren und langer Rute.
Nicht, dass ein kupierter Dobermann nicht beeindruckend aussieht.
Aber ich sehe in der privaten Haltung keinen Nutzen für diese Schönheitsop.
Im Gegenteil.
Jeden Tag erlebe ich, wie wichtig Ohren und Rute für die Kommunikation zwischen Hunden sind und wie schnell Missverständnisse entstehen können, wenn diese fehlen.
Unsere Hunde sprechen mit dem ganzen Körper.
Für mich gehören dazu auch Ohren und Rute.
Wer den Unterschied einmal live erlebt hat, versteht sofort, was ich meine.
Rechts wedelt ein unkupierter Dobermann mit seiner Rute wie ein kleines Windkraftwerk.
Links kämpft ein kleiner Stummel verzweifelt darum, dieselbe Freude auszudrücken.
Spätestens dann versteht man, warum ich mich so entschieden habe.
Viele entscheiden sich aber genau deshalb für diese Rasse.
Kupiert.
Möglichst aggressiv wirkend.
Mit dicker Kette um den Hals.
Und dem Wunsch, möglichst gefährlich auszusehen.
Damit tun sie dem Dobermann keinen Gefallen.
Sicher ist vieles Geschmackssache.
Und über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten.
Aber seien wir ehrlich:
Kupierte Ohren und eine kupierte Rute sind nicht mit einem Piercing oder einer Tätowierung zu vergleichen.
Ich möchte niemandem zu nahe treten, der das anders sieht.
Jeder trifft seine eigenen Entscheidungen.
Ich wünsche mir nur, dass dabei immer zuerst an den Hund gedacht wird.
Der Dobermann ist kein Monster…
…höchstens ein Kuschelmonster.
Geht einmal mit einem Dobermann in die Stadt ein Eis essen.
Es gibt eigentlich nur zwei Reaktionen.
Entweder wechseln die Menschen vorsichtshalber die Straßenseite, denn der könnte ja noch nicht gefrühstückt haben.
Oder sie kommen neugierig auf einen zu und fragen:
„Ist das wirklich ein Dobermann?“
Ja.
Unser Rudel ist komplett braun, mit Brand.
Tierarztbesuche sind übrigens jedes Mal ein kleines Schauspiel.
Mit dem „großen bösen Wolf“ an der Leine könnte man manchmal die Luft im Wartezimmer schneiden.
Die erhöhte Luftfeuchtigkeit durch Angstschweiß – meist vom Tierhalter – ist dabei förmlich messbar.
Unser Tierarzt hat deshalb irgendwann angefangen, uns schon fünfzehn Minuten vor der offiziellen Sprechstunde einzubestellen.
Nicht aus Angst.
Sondern damit alle Tierarzthelferinnen erst einmal in Ruhe Dobermänner knuddeln konnten.
Erst danach begann der normale Praxisbetrieb.
Viel zu oft wird diese Rasse auf irgendwelche Horrorfilme reduziert.
Dabei merkt man erst, wie oberflächlich Menschen manchmal urteilen, wenn man einen anderen Weg geht als die Mehrheit.
Natürlich ist ein Dobermann ein kräftiger Hund.
Genau deshalb gehört er in verantwortungsvolle Hände.
Aggressivität ist keine Rasseeigenschaft.
Sie entsteht meist dort, wo Menschen Fehler machen.
Der Dobermann ist intelligent.
Sehr intelligent.
Manchmal sogar intelligenter als sein Mensch.
Fehlt eine klare Führung, übernimmt er irgendwann selbst die Verantwortung.
Oder sucht sich eine eigene Beschäftigung.
Genau dann entstehen Probleme.
Und wer bezahlt am Ende den Preis?
Der Hund.
Nicht selten landet er im Tierheim.
Mit Beißvorfall.
Mit Maulkorbpflicht.
Und oft mit kaum einer Chance auf ein normales Zuhause.
Umso größer ist mein Respekt vor den Menschen, die genau solchen Hunden eine zweite Chance geben.
Sie kämpfen um jede einzelne Seele.
Man darf außerdem nicht vergessen:
Der Dobermann ist keine Rasse, die sich über Jahrhunderte von selbst entwickelt hat.
Er entstand Ende des 19. Jahrhunderts durch die gezielte Kombination verschiedener Hunderassen.
Welche Rassen tatsächlich beteiligt waren, lässt sich heute nicht mehr vollständig belegen.
Genannt werden unter anderem:
Deutsche Dogge
Deutscher Pinscher
Rottweiler
Weimaraner
Greyhound
und weitere Gebrauchshunde jener Zeit.
Als Wach- und Schutzhund.
Er ist hochintelligent. Polizei und Rettungsdienste wissen seine Eigenschaften zu schätzen.
Sensibel. (Spätestens bei einem Ballentritt oder einem Bienenstich wird daraus ganz schnell ein Drama.)
Lernwillig. (Zumindest dann, wenn der Dobermann den Sinn der Übung ebenfalls erkannt hat.)
In den falschen Händen hat ein Dobermann kaum eine Chance, sich zu dem Hund zu entwickeln, der er eigentlich sein könnte.
Für mich ist er kein Schrottplatzhund.
Er ist ein wunderbarer Familienhund.
Ein großartiger Sportpartner.
Ein aufmerksamer Beschützer.
Und vor allem…
Ein Hund, der bei seinen Menschen sein möchte.
Nicht draußen.
Nicht an einer Kette.
Sondern mittendrin.
❤️ Wer einmal einen Dobermann wirklich kennengelernt hat, sieht keinen Kampfhund mehr.
Er sieht einen Hund, der verstanden werden möchte.
Und der für seinen Menschen durchs Feuer gehen würde.
Welpen verändern alles
Unsere ersten Welpen schenkte uns Nala.
Erst wenn man einen Wurf vom ersten Atemzug an begleitet, versteht man, wie viel diese Hunde einander beibringen.
Plötzlich werden Tanten zu Babysittern.
Selbst unser Sam zeigte im Umgang mit den kleinen Wuselpaketen eine Geduld, die wir ihm vorher nie zugetraut hätten.
Mit einem Wurf zieht Leben ins Haus.
Und zwar jede Menge.
Eine gute Planung ist alles.
Zumindest bis die Welpen beschließen, einen ganz eigenen Plan zu haben.
Lange Nächte an der Wurfkiste gehören genauso dazu wie der erste Tierarztbesuch, das erste kleine Aua oder die ersten Rangeleien unter den Geschwistern.
Es ist ein bisschen wie Kinder großzuziehen.
Nur im Zeitraffer.
Gerade hängen sie noch bei ihrer Mutter an der Milchbar.
Wenig später klettern sie schon über den Rand der Wurfkiste und entdecken die Welt.
Dann kommt das erste Futter.
Was für eine Sauerei.
Dobi in Penaten.
Aber genau darüber lacht man später am meisten.
Es folgen die ersten Ausflüge in den Garten.
Diese grenzenlose Neugier.
Mit der Nase in jedes Loch.
Egal, wer dort gerade wohnt.
🤣
Jeder kleine Welpe ist anders.
Da gibt es die Draufgänger, die immer vorneweg marschieren.
Die Vorsichtigen, die erst einmal beobachten.
Und die kleinen Deckenkuschler, die am liebsten noch ein bisschen bei Mama bleiben würden.
Genau das macht jeden einzelnen Welpen so besonders.
Und ehrlich gesagt…
Man kann einfach nicht genug von ihnen bekommen.
Irgendwann kommt der schwerste Moment.
Der Abschied.
Wer darf eines unserer Babys mit nach Hause nehmen?
Wie wird es ihm dort ergehen?
Man kennt diese Menschen schließlich nicht.
Ein paar Telefonate.
Ein kurzer Besuch.
Oder sie stehen spontan vor der Tür und möchten den Welpen am liebsten sofort mitnehmen.
Die Verantwortung fühlt sich manchmal erdrückend an.
Schließlich geht es nicht um einen Gegenstand.
Es geht um ein Leben. Eines aus unserem Rudel.
Zum Glück hatten wir – bis auf zwei Welpen, die wieder zu uns zurückkamen – großes Glück.
Zu den meisten Familien besteht bis heute Kontakt.
Und genau das freut mich jedes Mal aufs Neue.
Natürlich haben wir unsere Zuchttiere gesundheitlich immer im Blick.
Röntgen mit und ohne Sedierung.
Ultraschall.
EKG.
Langzeit-EKG.
Nicht jeder Hund war allerdings bereit, sämtliche Manschetten wieder zurückzugeben.
Trotzdem gibt es niemals eine Garantie für ein gesundes Tier.
Das Leben lässt sich nicht vollständig planen.
Als Züchter sollte man seine Hunde kennen.
Nicht nur körperlich.
Vor allem charakterlich.
Nur dann kann man einschätzen, welcher Mensch zu welchem Hund passt.
Nicht jeder Interessent ist automatisch der richtige Mensch für einen unserer Hunde.
Aus jedem Wurf haben wir einen Welpen behalten.
Nicht, weil wir immer mehr Hunde wollten.
Sondern weil wir sehen wollten, wohin die Reise führt.
Wie entwickeln sich Körper und Wesen?
Welche Eigenschaften geben wir weiter?
Natürlich prägt das spätere Zuhause einen Hund ganz entscheidend.
Aber nur wenn man die eigene Zucht über Jahre begleitet, kann man wirklich daraus lernen.
Unser Rudel ist – bis auf eine Hündin – vollständig kastriert.
Auch das ist eine Entscheidung, die man irgendwann treffen muss.
Dabei sollte niemals der eigene Geldbeutel im Vordergrund stehen.
Sondern immer das Wohl des Tieres.
Vor allem das Nervenkostüm unseres Deckrüden Zedrik.
Für mich endet Verantwortung nicht mit der Geburt eines Welpen.
Sie beginnt dort erst.
Und genau das unterscheidet für mich einen Züchter von einem Vermehrer.
Ein Tier begleitet uns nur einen Teil unseres Lebens.
Für das Tier sind wir sein ganzes Leben