Erfahrungen & Fallbeispiele

Eine Wunde, die keine Ruhe bekam

Es war Hochsommer. Rund 35 Grad, Fliegen ohne Ende – und ausgerechnet jetzt hatte sich ein Fohlen an der Innenseite des Röhrbeins eine tiefe Risswunde zugezogen.

Etwa zwei Zentimeter tief und an einer Stelle, die bei jeder Bewegung wieder mitarbeitete. Ruhe für die Wunde? Eher schwierig.

Erst einmal einschätzen, womit ich es zu tun hatte

Bevor es an die Versorgung ging, musste ich mir ein Bild von der Verletzung machen. Lage und Tiefe der Wunde wurden kontrolliert und das Bein vorsichtig auf Funktion und Beweglichkeit geprüft. Bei meinen mechanischen Tests ergaben sich keine Hinweise darauf, dass Sehnen oder Bänder mitbetroffen waren.

Damit zeigte sich zunächst das Bild einer äußerlich unschönen und tiefen Fleischwunde – an einer denkbar unpraktischen Stelle und mit einem Patienten, dem man schlecht erklären konnte, dass möglichst wenig Bewegung jetzt eine ausgesprochen gute Idee wäre.

Ein Verband war in dieser Situation für mich keine praktikable Lösung. Also musste ein anderer Weg gefunden werden.

Nicht nur auf die Wunde schauen

Das A und O war zunächst, die Wunde konsequent sauber zu halten und die Entzündung in den Griff zu bekommen. Ein geeignetes Mittel für eitrige Wunden gehört für mich ohnehin in jede gut ausgestattete Stallapotheke.

Gleichzeitig wurde die Bewegung kontrolliert und das Fohlen als Ganzes beobachtet.

Wie ist die Temperatur?
Frisst es? Trinkt es?
Wie ist der Allgemeinzustand?
Verändert sich etwas?

Denn eine Wunde ist sichtbar. Was im restlichen Körper geschieht, nicht unbedingt.

Auch von innen wollte ich den Körper in dieser Phase unterstützen – insbesondere dort, wo er für Wundheilung und ein funktionierendes Immunsystem zusätzliche Arbeit leisten musste.

Die ersten Tage waren entscheidend

Nach ungefähr vier Tagen war die Entzündung deutlich zurückgegangen und es zeigten sich saubere Wundränder.

Von diesem Zeitpunkt an wurde die Entwicklung täglich besser und mein mechanischer Einfluss immer geringer. Zum Schluss wurde die Wunde äußerlich nur noch mit einem Spray versorgt.

Nach ungefähr zehn Tagen konnte das Fohlen wieder zu den anderen.

Natürlich hielt sich ein junges Pferd anschließend nicht an meinen persönlichen Heilungsplan. Der Wundschorf riss durch die Bewegung noch einmal etwas auf. Diesmal brauchte es jedoch keine weitere Hilfe – die Stelle heilte selbstständig weiter.

Der Weg dazwischen zählt

Für mich besteht ein solcher Fall nicht aus:

Wunde → Mittel → fertig.

Entscheidend ist das Bild davor, das Bild danach – und vor allem der Weg dazwischen.

Was erschwert die Heilung? Was verändert sich? Wie reagiert das Tier insgesamt? Wo muss ich eingreifen und wann kann ich mich wieder zurücknehmen?

Genau auf diesem Weg lassen sich manchmal die Stolpersteine finden – und manchmal auch der Ausweg.

Dieses Fallbeispiel beschreibt meine persönliche Erfahrung. Es ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder notwendige Behandlung. Tiefe Wunden am Pferdebein können Strukturen unterhalb der Haut betreffen und gehören fachlich abgeklärt.

Wenn Bewegung plötzlich weh tut

Sam war vier Jahre alt, als es anfing.

Lahmheit. Schmerzen. Nicht nur ein etwas unrunder Gang, sondern deutlich sichtbar. Auch sein Allgemeinzustand veränderte sich. Er litt.

Und ausgerechnet Sam war ein Balljunkie. Bewegung und Spielen gehörten für ihn nicht einfach zum Tagesablauf – sie waren ein ziemlich wichtiger Teil seines Lebens.

Also folgte die tierärztliche Abklärung.

Das Ergebnis war alles andere als erfreulich: Arthrose in beiden Vorderpfoten, Hüftdysplasie und zusätzlich eine starke DCM.

Plötzlich standen nicht nur Diagnosen im Raum, sondern auch die Frage, wie es weitergehen sollte. Schmerzmittel? Operation? Aufgrund der Probleme an den Vorderpfoten sogar die Überlegung einer Amputation?

Es gab gute Tage und schlechte Tage.

Nicht nur auf ein Gelenk schauen

Für mich stellte sich deshalb nicht nur die Frage, was man gegen einen einzelnen Schmerz tun kann.

Ich wollte den gesamten Hund betrachten.

Das Futter wurde umgestellt, die grundlegende Versorgung mit Nährstoffen verändert und gezielt ergänzt. Mein Ansatz war, dem Körper möglichst gute Voraussetzungen für seine eigenen Regulations- und Reparaturprozesse zu geben und gleichzeitig entzündungsfördernde Faktoren soweit möglich zu reduzieren.

Auch Sams Alltag musste sich verändern.

Das ist bei einem Hund, der am liebsten seinem Ball hinterherjagen möchte, leichter geschrieben als gemacht.

Es ging deshalb nicht darum, ihm jede Bewegung zu nehmen. Es ging darum, immer wieder abzuwägen: Was tut ihm gut? Was ist heute möglich? Und wann ist es zu viel?

Genau solche Anpassungen gehören auch heute zum anerkannten konservativen Management von Hüftdysplasie und Arthrose: unter anderem Gewichtskontrolle, angepasste Bewegung und Physiotherapie; je nach individuellem Fall kommen Medikamente und/oder chirurgische Verfahren hinzu.

Drei Jahre zwischen Diagnose und Abschied

Sam lebte auf diesem Weg bis zu seinem siebten Lebensjahr ohne die damals erwogenen einschneidenden Operationen.

Auch verschiedene Schmerzmittel wurden ausprobiert. Bei Sam führten sie jedoch wiederholt zu Magen-Darm-Problemen. Damit standen wir vor der nächsten Abwägung: Ein Mittel soll helfen – wenn die Nebenwirkungen aber neue Probleme verursachen und der Nutzen für diesen Hund geringer ist als die Belastung, muss man nach anderen Möglichkeiten suchen.

Deshalb entschieden wir uns bei Sam gegen eine dauerhafte Gabe und konzentrierten uns auf seinen individuellen Weg: angepasste Bewegung, Ernährung, Versorgung des Körpers und unterstützende Maßnahmen.

Es gab gute Tage und schlechte Tage. Und wir wussten, dass dieser Weg die Erkrankungen nicht verschwinden ließ.

Irgendwann reichte er nicht mehr.

Die Schmerzen und Einschränkungen wurden stärker. Sam veränderte sich und wurde zunehmend aggressiv. Damit kam der Punkt, an dem nicht mehr entscheidend war, wie lange wir ihn noch bei uns behalten konnten, sondern ob sein Leben für ihn noch lebenswert war.

Wir ließen ihn gehen.

Nicht, weil wir nichts mehr für ihn tun wollten.

Sondern weil auch das irgendwann Fürsorge sein kann.

Unterstützung im Alltag

Nicht jede Unterstützung beginnt erst dann, wenn ein Tier krank ist.

Für mich gehört genauso dazu, den Körper in besonderen Belastungsphasen zu begleiten und seine Versorgung immer wieder an die aktuelle Situation anzupassen.

Wachstum, Läufigkeit, Fellwechsel, Alter, Stress, besondere körperliche Belastungen oder die Zeit nach notwendigen Behandlungen können den Organismus unterschiedlich fordern. Auch Fütterung, Darmgesundheit, Bewegung und die allgemeine Nährstoffversorgung gehören für mich deshalb zum Gesamtbild.

Dabei geht es nicht darum, ständig irgendetwas „behandeln“ zu müssen. Im Gegenteil. Manchmal bedeutet Unterstützung schlicht, genauer hinzusehen:

Wie hochwertig ist die tägliche Ernährung?
Was braucht dieses Tier in seiner jetzigen Lebensphase?
Wie funktionieren Verdauung und Darm?
Gibt es Zeiten mit erhöhtem Bedarf?
Ist eine zeitlich begrenzte Kur sinnvoll – oder braucht es gerade überhaupt nichts Zusätzliches?

Auch nach Impfungen, Wurmkuren oder Medikamentengaben kann es sinnvoll sein, das Tier besonders aufmerksam zu beobachten und Ernährung, Darm und allgemeine Versorgung im Blick zu behalten.

Mein Ziel ist nicht, möglichst viel in ein Tier hineinzubekommen. Sondern möglichst sinnvoll auf seinen individuellen Bedarf einzuwirken.

Der Körper ist ein Zusammenspiel vieler Systeme. Ernährung und Nährstoffversorgung können dazu beitragen, normale Körperfunktionen zu unterstützen – sie ersetzen aber weder notwendige Vorsorge noch Diagnostik oder medizinische Behandlung.